Klosterruine Disibodenberg Hospiz
Foto Britta Lehna PR

Wer einen Ort der Stille sucht, ist auf dem Disibodenberg bei Odernheim im Naheland genau richtig. Hier wirkte Hildegard im Kloster, bevor sie nach Bingen ging und sich als Hildegard von Bingen, als mittelalterliche Mystikerin und Universalgelehrte einen Namen machte.

Im Jahr 1112 wurden drei junge Frauen feierlich auf dem Disibodenberg aufgenommen. Es waren die Magistra Jutta von Sponheim, Hildegard und eine weitere Schwester. Sie bewohnten zunächst eine Klause im Osten der Klosteranlage. Diese sollte sich in den nächsten Jahren zu einer großen Baustelle entwickeln, mit der Nikolauskirche und einem Hochgrab für Disibod.

Um 640 hatte sich der irisch-schottische Wanderprediger Disibod auf dem Berg niedergelassen, um die Christianisierung des Nahelandes vorzunehmen. An dieser Stelle wurde später ein Stift mit zwölf Augustinerchorherren gegründet. Erzbischof Ruthard von Mainz wandelte um 1100 das Stift in ein Benediktinerkloster um. Im Jahr 1108 begann dann der Bau der Klosteranlage, wie sie heute noch nachzuvollziehen ist. Mitte des 13. Jahrhunderts übernahmen Zisterzienser das Kloster und fügten Großbauten an der Nordseite wie das Hospiz (Gästehaus für Pilger) und das Abteigebäude hinzu.

Hildegard von Bingen erlebte den Disibodenberg in reger Bautätigkeit. Als Jutta im Jahr 1136 starb, übernahm sie die Leitung des Frauenkonvents mit mittlerweile zehn Nonnen. Ab 1141 begann Hildegard mit der Aufzeichnung ihrer Visionen und pflegte Briefkontakte mit angesehenen Persönlichkeiten. Sie war eine gebildete Frau, die lesen und schreiben konnte, wichtige Schriften ihrer Zeit kannte und auch über Lateinkenntnisse verfügte. Auf der Trierer Synode von 1147/48 wurden ihre Texte Papst Eugen III vorgelegt – so wurde sie bekannt. Nachdem sie ihr Werk „Scivias“ (Wisse die Wege) veröffentlicht hatte, verließ sie den Disibodenberg um 1151. Sie ging in das neu gegründete Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Dort starb sie 1179. Im Jahr 2012 wurde sie heiliggesprochen.

Das Kloster auf dem Disibodenberg wurde 1559 aufgelöst, dem Verfall und Raubbau überlassen. Heute sehen wir an dieser Stelle eine Ruine, romantisch verbunden mit einem Landschaftspark. Dieser wurde ab 1840 angelegt. Seitdem ist der Disibodenberg ein attraktives Ziel in der Region. Die Ruinen und die alten Bäume, sie entfalten zu jeder Jahreszeit ihre Wirkung. Heute kümmert sich die Scivias-Stiftung um die denkmalgeschützte Anlage.

Öffnungszeiten – Führungen – Café – Hofladen auf dem Disibodenberg

Die Klosterruine ist jederzeit zugänglich. Das Museum im Wirtschaftshof ist von Ostern bis Oktober samstags (12-18 h) und sonntags (11-17 h) sowie auf Anfrage geöffnet.

Eintrittspreise: Erwachsene 5 €, ermäßigt 4 €, Kinder frei.

Sehr interessant sind die Führungen (rund 2 Stunden, anfrage@disibodenberg.de), danach schmecken Kaffee und Kuchen besonders gut. Der Hofladen versorgt unter anderem mit Hildegard-Lektüre.

Klosterruine Disibodenberg Bäume im Langhaus
Foto Britta Lehna PR

Wein vom Disibodenberg:

Heute bewirtschaften zwei Odernheimer Weingüter die Reben am Disibodenberg: Weingut Grossarth und Weingut Disibodenberg (ehemals Klostermühle).

Auch zu Lebzeiten von Hildegard von Bingen muss es Reben am Disibodenberg gegeben haben. Vor wenigen Jahren wurden fünf Rebstöcke der historischen Sorte Weißer Orleans entdeckt, die Rebkundlern zufolge wahrscheinlich noch aus der Zeit zwischen 1108 und der Aufgabe des Klosters im Jahre 1559 stammen.

 

Hildegard von Bingen und der Disibodenberg
Markiert in: